Souq al Gamal – Wieviel kostet ein Kamel?

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Eine Szene wie aus 1001 Nacht. Der traditionelle Kamelmarkt am Rande der Wüste, nordwestlich von Kairo.

(sh) „Wohin fährst Du morgen?“ Meine ägyptische Freundin schaut mich mit ihren grossen braunen Augen an. „Souq al Gamal? Kamelmarkt? Birquash? Nie gehört!“ Ich schüttele ungläubig den Kopf. „Aber das ist doch der grösste Kamelmarkt in Ägypten“, antworte ich erstaunt. Sie soll nicht die einzigste sein, die mich verwundert anschaut, als ich von meinen Plänen erzähle. Laut meines Reiseführers hat sich der Markt mittlerweile zu einer Touristenattraktion entwickelt. Allerdings kann ich keine Touristen finden, als ich Freitag früh nach einer eineinhalbstündigen Taxifahrt über holprige Strassen 35 Kilometer nordwestlich von Kairo auf dem Markt ankomme.

Die Fahrt alleine, ist schon ein Erlebnis. Raus aus dem grossen und lauten Kairo, durch kleine Dörfer, entlang an palmengesäumten Wasserkanälen. Der Himmel ist tiefblau, eine Seltenheit in der grössten Stadt der arabischen Welt. Der Taxifahrer gibt mir noch die letzte Warnung: „Sei vorsichtig Habibi“ als er mich vor dem Markteingang auslädt, um sich dann einen schattigen Platz für sich und sein Auto zu suchen. Insgeheim schüttelt er wohl den Kopf, wie so viele meiner ägyptischen Freunde und Kollegen. Was gibt es schon auf so einem staubigen Kamelmarkt zu sehen.

Kamele auf Pickup Trucks

Kamele, Staub, Kamelhändler und Kamele in Pickup Trucks! Für mich eine kleine Sensation. Also hat auch hier die Moderne Einzug gehalten. Neben den elektrischen Leitungen, kleinen Lastwagen und einigen Betonpfeilern scheint dies jedoch so das einzigste Zugeständnis ans das 21 Jahrhundert zu sein. Die Männer sind traditionell in ihren Galabejas gekleidet, einige mit Turban, andere ohne. Aber alle schauen sie aus, als kommen sie gerade aus einem Märchen aus 1001 Nacht.

1995 wurde der Kamelmarkt, der als grösster Ägypten gilt, von einem Vorort Kairos nach Birquasch, am Rande der westlichen Wüste, verlagert. Die meisten Kamele kommen aus dem Sudan. Meist haben sie einen Zwischenstop in Daraw, in der Nähe von Assuan gemacht. Die anderen kommen aus allen Teilen Ägyptens, inklusive Sinai. Manchmal sogar aus Somalia. Von Daraw im Süden werden die Kamele auf der „40 Tage Strasse“ in Pickup Trucks in den Norden gefahren, um hier verkauft zu werden.

Ich nähere mich dem Eingang. Anscheinend bin ich nicht nur die einzige Europäerin, sondern auch die einzigste Frau auf dem Markt. Selbst der Tee wird hier von einem Mann ausgeschenkt.

Überall Kamele in grossen und kleinen Gruppen. Meist mit aufgebundenen Beinen, die verhindern soll, dass diese majestätischen Wüstenschiffe schnell wegrennen. Mit aufgebundenen Beinen, können sie nur hoppeln. Und wehe es tritt eins aus der Reihe. Die Kameltreiber sind allzeit achtsam und scheuen nicht die Stöcke einzusetzen.

500 Franken für ein Kamel

Eine neue Geräuschkulisse erschliesst sich mir. Ein ständiges Schnauben und Stapfen unterlegt mit den eigentümlichen Lauten der Kamele, immer wieder durchbrochen von menschlichen Schreien und Zurufen und unterlegt von arabischem Gemurmel. Eine einzigartige Welt, so fernab der ägyptischen Metropole und doch so nah.

Wie viele Kamele es sind ist schwer zu sagen, aber sicher handelt es sich hier um hunderte. Wohin sie verkauft werden? Viele enden als Last – oder Arbeitstiere, andere gar in den Schlachthöfen. Rennkamele findet man hier nur selten. Oftmals werden die Kamele gegen andere Tiere eingetauscht: Pferde, Ziegen oder Schafe. Ein Kamel kostet zwischen 2000 und 5000 ägyptische Pfund, was so ca. 350 bis 1000 Franken entspricht.

Aus all dem Geschreie und Gemurmel kann ich nur einzelne Worte erkennen. Von den Gebärden und der Mimik, ist aber deutlich zu sehen, dass auch hier nichts ohne Handeln abgeht. Man ist auf einem Souq, in einem arabischen Land

Ich verweile in einer Ecke und lasse diese fast unwirkliche Welt auf mich wirken. Vor meinem inneren Auge, sehe ich die Kamelkarawanen….. Viel hat sich nicht geändert, aber doch einiges. Die Mittagszeit nähert sich und der Markt löst sich langsam auf. Es ist Freitag und bald ruft der Muezzin zum Gebet. Das gilt natürlich auch für die Kamelhändler.

Für mich ist es Zeit meinen Taxifahrer zu finden, um nach Kairo zurückzukehren. Die unbeschreiblichen Bilder und Erinnerung sollen mich noch lange begleiten. Ich hoffe, dass die meisten Kamele ein gutes Zuhause gefunden haben.